Im digitalen Zeitalter geraten persönliche Daten immer häufiger ins Visier von Kriminellen. Identitätsdiebstahl ist längst keine Ausnahmeerscheinung mehr, sondern eine reale Bedrohung, die für Betroffene schwerwiegende Konsequenzen haben kann.
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ToggleWie Identitätsdiebstahl heute funktioniert und wie er uns trifft
Plötzlich ist fremdes Geld verschwunden, Verträge wurden abgeschlossen und das alles unter einem fremden Namen, nämlich dem eigenen. Identitätsdiebstahl macht genau das möglich. Täter greifen gezielt auf personenbezogene Daten zu, um daraus einen wirtschaftlichen Schaden zu erzeugen oder sich selbst Vorteile zu verschaffen.
Meist geht es dabei um sensible Informationen wie Bankverbindungen, Sozialversicherungsnummern oder Ausweispapiere. Damit eröffnen die Betrüger Konten, kaufen online oder betreiben gezielten Onlinebetrug. All das passiert schnell und oft unbemerkt. Das Strafgesetzbuch regelt den Identitätsmissbrauch zwar unter § 238. Doch viele Betroffene empfinden die Strafen als kaum angemessen. Der verursachte Schaden, finanziell wie psychisch, ist in der Realität oft unverhältnismäßig groß.
Dass die Gefahr real ist, zeigen Umfragen. 93 Prozent der Menschen in Europa sorgen sich um ihre digitale Identität. In unserer zunehmend digitalen Gesellschaft sind Stress, Leichtgläubigkeit und Vertrauen in die falschen Helfer leider ideale Eintrittspforten für menschliche Schwächen und damit für Straftäter.
Diese Methoden nutzen Cyberkriminelle am häufigsten
Von gefälschten E-Mails bis hin zu manipulierten Webseiten setzen Cyberkriminelle auf Taktiken, die Vertrauen vortäuschen sollen. Phishing zählt dabei zu den häufigsten Methoden. Empfänger werden hier unter Stress zu schnellen Reaktionen gedrängt und geben in der Folge sensible Daten preis. Plattformen mit geringer Datenerfassung können hingegen das Risiko digitaler Identitätsdiebstähle senken.
Ein gutes Beispiel hierfür stellen gewisse Angebote in der Glücksspielbranche dar. Wer etwa in einem Online-Casino ohne Anmeldung spielen möchte, hinterlässt keine gespeicherten Nutzerdaten und bietet damit weniger Angriffsfläche. Allerdings ist dieses Angebot nicht in allen Ländern mit der verbindlichen KYC-Pflichten vereinbar. KYC steht für “Know Your Customer”, was bedeutet, dass die Glücksspielanbieter genau über ihre Userdaten Bescheid wissen müssen.
Bei einem Angriff könnten diese aber natürlich auch durchsickern, weshalb Datenschützer darüber streiten, ob Angebote ohne Anmeldung, die nur ein Minimum an Daten abfragen, nicht am Ende doch verbraucherfreundlicher sein könnten.
Weitere Maschen nutzen Fake-Support-Anrufe. Angebliche Techniker behaupten, akute Sicherheitsprobleme lösen zu wollen, und drängen Betroffene dazu, Fernzugriffssoftware wie TeamViewer oder AnyDesk zu installieren.
Ergänzend zu diesen Tricks laufen viele Angriffe im Hintergrund rein technisch ab. Bei sogenannten Passwortattacken, die rund 97 Prozent aller Identitätsangriffe ausmachen, setzen Täter auf automatisierte Brute-Force-Versuche oder verwenden beim Credential Stuffing bereits geleakte Zugangsdaten.
Auch über Sozialnetzwerke werden gezielt Opfer angesprochen. In einem Fall versprachen Krypto-Gauner hohe Renditen, am Ende gingen einem Rentner 22.000 Euro verloren. Er hatte auf deren Anweisung auch ein Programm installiert, durch das die Täter Zugriff auf seinen Laptop erhielten.
Die persönlichen und finanziellen Folgen sind oft gravierend
Was bleibt, ist nicht nur der finanzielle Schaden. Für viele beginnt mit dem Identitätsmissbrauch ein monatelanger Kraftakt. Wurde unbemerkt auf ein Konto zugegriffen, verschwinden nicht selten fünfstellige Beträge. Bis Banken oder Dienstleister reagieren, sind oft schon Drittparteien im Spiel. Der Geldverlust ist dann kaum noch rückgängig zu machen.
Hinzu kommt die psychische Belastung. Wer betroffen ist, kämpft sich durch eine Vielzahl an Formularen, Nachweisen und Rücksprachen. Oft müssen Anzeigen erstattet, Konten geschlossen oder eine aufwendige Bonitätskorrektur veranlasst werden. Das kostet Zeit, Nerven und kann auch emotional sehr fordernd sein.
Wie groß das Problem ist, zeigen Zahlen des BSI. 2025 gaben rund 10 Prozent der deutschen Cybercrime-Opfer an, gezielt durch Identitätsmissbrauch geschädigt worden zu sein. Damit liegt dieser Wert nur knapp unter dem von Onlinebanking-Betrug, der bei 11 Prozent lag.
Auch Unternehmen trifft es hart. 87 Prozent berichteten von Datendiebstahl, Sabotage oder Spionage aus dem Netz. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden belief sich im letzten Jahr auf 289,2 Milliarden Euro, ein Höchstwert.
Besorgniserregend ist auch das Vertrauen der Verbraucher. Nur 12 Prozent glauben, dass Organisationen ihre Daten wirklich sicher verwalten. Diese Lücke in der digitalen Absicherung ist nicht nur ein technisches, sondern längst ein gesellschaftliches Problem.
Was Nutzer heute selbst tun können, um sich gut zu schützen
Wer online unterwegs ist, braucht ein klares Sicherheitskonzept. Dazu gehört, starke Passwörter zu nutzen. Sie sind lang, einzigartig und regelmäßig erneuert. In Kombination mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung erhöht sich der Schutz deutlich.
Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist, Konten regelmäßig zu prüfen. Fällt etwas auf, sollte man umgehend die eigene Bank oder zuständige Behörden informieren. Dadurch lassen sich Schäden meist früh eindämmen.
Auch die Technik verdient Aufmerksamkeit. Antivirenprogramme helfen, bekannte Gefahren zu blocken. Wer zusätzlich Sicherheitsupdates installiert, schließt Schwachstellen, bevor sie ausgenutzt werden können, besonders relevant auf Smartphones und Computern.
Ein Passwortmanager rundet den Schutz ab. Er erstellt sichere Zugangsdaten, speichert sie verschlüsselt und nimmt einem die Verwaltung ab – ohne Kompromisse bei der Sicherheit.
Was die EU heute und künftig unternimmt, um Identitätsdiebstahl zu bekämpfen
Auch auf europäischer Ebene wird gehandelt, um der wachsenden Bedrohung durch Identitätsdiebstahl entgegenzutreten. Technologische Projekte wie PRISMACLOUD und SECREDAS setzen auf moderne Sicherheitskonzepte wie Verschlüsselung, dezentrale Datenhaltung und mehr Datenschutz. Ziel ist, den Zugriff auf sensible Informationen zuverlässig zu sichern.
Überedies plant die EU einheitliche Vorgaben für digitale Produkte. Geräte sollen künftig bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen, von starken Standardpasswörtern über eingebaute Verschlüsselung bis hin zu automatischen Sicherheitsupdates. Damit steigt die digitale Grundsicherheit spürbar an.
Ein weiterer Baustein ist der „Digitale Omnibus“, der ab 2025 digitale Identitäten europaweit vereinheitlichen soll. Für Nutzer bedeutet das weniger Hürden beim Login und mehr Kontrolle über die eigenen Daten. Technische Mindestanforderungen sorgen dabei für zusätzlichen Schutz.
Nach einer aktuellen Umfrage sprechen sich 76 Prozent der Europäer dafür aus, Strafverfolgungsbehörden mehr Befugnisse im digitalen Raum einzuräumen. Die EU-Mitgliedstaaten wollen deshalb enger zusammenarbeiten und ihre Ressourcen gezielter bündeln.
Technologische Fortschritte zum Schutz – doch das Risiko bleibt hoch
Die Welt der Technologie hat neue Antworten auf alte Gefahren entwickelt. Projekte wie ABC4Trust machen digitale Identität sicherer, ohne dabei alle personenbezogenen Daten offenzulegen. Die Idee dahinter ist, Datenschutz nicht nachzurüsten, sondern von Anfang an mitzudenken.
Auch im Kampf gegen Deepfakes kommen Fortschritte. Künstliche Intelligenz hilft, Fälschungen schneller zu enttarnen. Doch dieselbe Technologie kann auch für gezielte Manipulation genutzt werden. Fast vier von zehn Menschen in Deutschland wünschen sich deshalb klare Regeln zur KI-Regulierung.
Damit wächst der Stellenwert von Lösungen aus Europa. Viele Unternehmen setzen inzwischen gezielt auf europäische IT-Sicherheitslösungen, weil sie strengeren Vorgaben unterliegen und beim Vertrauen besser abschneiden.
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